| Abb 1: Zunehmende Verschmelzung des Vergangenheitsbildes. |
In unzähligen Einzelprojekten wurde und wird Vergangenheit medial dargestellt. Gerade 3D-Rekonstruktionen finden zunehmendes Interesse, lassen sich mit ihnen vergangene Situationen besonders anschaulich vermitteln. Seien es einzelne Gebäude, ganze Städte oder gar Landschaften. Derartige Rekonstruktionen werden bisher vorwiegend in der Museumslandschaft eingesetzt. Die breite Öffentlichkeit ist also der vorrangige Rezipient.
Nachteil ist die Unabhängigkeit und Inkompatibilität der Rekonstruktionen zueinander. Dies mag u.a. ein Grund sein, weshalb bisher nicht der Versuch unternommen wurde, sie zu einem zusammenhängenden Vergangenheitsbild zu verschmelzen. Dies soll im Rahmen dieses Projektes erstmalig geschehen. Darstellungen der Vergangenheit werden so in einer höheren Informationsebene neu vernetzt und strukturiert. So wird ein neuer, einheitlicher und leicht interpretierbarer Zugang zur Vergangenheit geschaffen.
Ein Schwerpunkt der Arbeit wird es sein, Visualisierungsformen zu finden, die komplexe Sachverhalte anschaulich vermitteln, ein anderer, die Besonderheiten der Geschichtsforschung in den Visualisierungen zu berücksichtigen. So spielt die Vermittlung der "Unschärfe des Wissens" über die Vergangenheit bei Rekonstruktionen eine zentrale Rolle - eine Rolle, der bisher nur ungenügend Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Geplant sind nicht nur Visualisierungen von haptischen Strukturen (Gebäude, Siedlungen, Landschaften). In einem zweiten Schritt sollen auch gesellschaftsstrukturelle Aspekte einbezogen werden wie z.B. demographische Entwicklungen oder politische und religiöse Strukturen. Allgemein sind alle Informationen visualisierbar, die sich geographisch referenzieren lassen.
Das Internet hat sich als weltweit meistgenutzte und umfassenste Informationsquelle etabliert.
'Suchmaschinen' sind ein fester Bestandteil. Ohne sie wäre das Internet in seinem heutigem Umfang nicht denkbar. Der Grund in der Unverzichtbarkeit von Suchmaschinen liegt in der Art, in der Informationen im Internet gespeichert werden: unstrukturiert, ungeordnet, scheinbar wahllos. Eine Strukturierung findet allenfalls innerhalb einzelner Websites in Form von Navigations- bzw. Menüleisten statt.
![]() |
| Abb 2: Screenshot aus 'Google Earth'. Involviert ist die antike Situation des Xantener Raumes. Im Vordergrund rechts das römische Legionslager Vetera II. Etwa in der Mitte die römische Stadt 'Colonia Ulpia Traiana'. Sie ist mit einem Link versehen (blauer Punkt), der zu weiteren Informtionen führt. |
Ein Versuch, die Informationen des Internets geografisch zu strukturieren, unternimmt 'Google' in Form von 'Google Earth'. Die Erdoberfläche ist komplett mit hochaufgelösten Satellitenaufnahmen texturiert. Optisch reizvoll aufbereitet besteht für den Nutzer die Möglichkeit, jeden Punkt der Erde anzusteuern. Neben zahlreichen weiteren Features ist entscheidend, dass, analog zu einem GIS-System, beliebige Punkte auf der Erdoberfläche mit weiteren Informationen in Form von Websites verknüpfbar sind.
Websites werden also mit Hilfe von 'Google Earth' georeferenzierbar. Zwei weitere Fähigkeiten des Systems sind von besonderem Interesse:
Diese beiden Fähigkeiten sollen zusammen mit der Georeferenzierbarkeit genutzt werden, um neben der gegenwärtigen Situation Darstellungen der Vergangenheit aufzubauen - 'Google Earth' quasi eine vierte Dimension zu geben.
Es soll eine Plattform geschaffen werden, die Forschern wie Historikern und Archäologen sowie Multimedia-Spezialisten die Möglichkeit gibt, ihre Rekonstruktionen zur Vergangenheit zu einem gemeinsamen Bild zu verschmelzen. Die Attraktivität dieses Systems steigt verständlicherweise mit der Komplexität des entstehenden Vergangenheitsbildes.
Deshalb wird eine wichtige Aufgabe darin bestehen, möglichst viele Rekonstruktionen für das Projekt zu gewinnen.
Bei der Schaffung der Plattform sind die besonderen Umstände der Vergangenheitsforschung zu berücksichtigen:
Das entstehende System soll dem Nutzer folgende Möglichkeiten geben: