Römer und Germanen (1-500 n. Chr.)

Miltärlager an Rhein und Lippe

Bereits um 16 v. Chr. wurden am Rhein erste kleinere römische Lager errichtet, wie z. B. in Neuss und Bonn. Nach dem Alpenfeldzug begann Drusus eine vierjährige Offensive, die den Bau weiterer militärischer Anlagen am Rhein bedingte. Zur Vorbereitung der Feldzüge gegen die Germanen wurden nun viele römische Truppen an den Rhein verlegt. In der Zeit zwischen 15 und 12. v. Chr. wurden Vetera castra I bei Xanten-Birten, Dorsten-Holsterhausen und Asciburgium bei Moers-Asberg errichtet. Für die Erschließung der rechtsrheinischen Gebiete waren insbesondere bei Vetera castra und Asciburgium die Lage an den jeweiligen Mündungen von Lippe und Ruhr von entscheidender Bedeutung.

Asciburgium bestand aus einem Kastell und einer angeschlossenen Siedlung, direkt an einem heute verlandeten Altarm des Rheins und der Ruhrmündung gelegen. Das Lager wuchs mit der Zeit: Unter Drusus errichtet, nahm das erste befestigte Kastell eine Fläche von ca. 1,7 ha ein. Bis zum Jahr 70 n. Chr. wurde es insgesamt fünfmal erneuert und dabei bis auf eine Fläche von 2,3 ha vergrößert.

Asciburgium war ein Auxiliarkastell und wurde somit in der Regel nicht von Legionären mit römischem Bürgerrecht besetzt, sondern von Hilfstruppen, die sich aus Verbündeten bzw. Einheimischen rekrutierten. Diese Kastelle dienten der Grenzsicherung in den einzelnen Provinzen.

Legionslager Vetera castra I auf dem Fürstenberg bei Xanten, virtuelle Rekonstruktion (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)
Legionslager Vetera castra I auf dem Fürstenberg bei Xanten, virtuelle Rekonstruktion (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)

Das römische Legionslager Vetera castra I befand sich direkt gegenüber der damaligen Lippemündung auf dem Südhang des Fürstenbergs beim heutigen Xanten-Birten. Mit einem Ausmaß von ca. 60 ha war Vetera castra I um einiges größer als Asciburgium, es bot Platz für zwei Legionen und gehörte zu den größten militärischen Anlagen jener Zeit. Das Lager fand Erwähnung in den Historien des Tacitus. Er schrieb, dass Vetera I vor der großen Offensive des Drusus angelegt worden war und als Hauptstützpunkt für die Unterwerfung von Germanien dienen sollte. Der Standort an der Lippemündung und auf dem Fürstenberg bot den Römern eine optimale Ausgangslage, um ins germanische Stammland einzudringen.

Spätestens ab 14 n. Chr. waren zwei Legionen auf dem Fürstenberg stationiert. Vetera castra I wurde 70 n. Chr. zerstört und dort nicht wieder neu errichtet. Stattdessen bauten die Römer an anderer Stelle ein kleineres Lager, das näher am Rhein lag und als Vetera castra II bezeichnet wird.

Das Lager in Dorsten-Holsterhausen wurde vermutlich ab 11 v. Chr. genutzt und fällt damit in die Zeit der Eroberungszüge in Germanien. Die Gesamtfläche wird auf mehr als 50 ha geschätzt, kann aber nicht mehr exakt nachgewiesen werden, da u. a. durch die Nähe zur Lippe viele Spuren im Boden verloren gingen. Die wenigen Funde, v. a. das Fehlen von Spuren fester Bebauung, deuten darauf hin, dass die Anlage ein Marschlager war. Von seiner Größe ausgehend, konnten hier zeitweilig zwei bis drei Legionen untergebracht sein, bevor sie weitermarschierten.

Viele römische Lager wurden an Mündungen von Flüssen errichtet, die in rechtsrheinische germanische Gebiete führten, so auch Mogontiacum, das direkt gegenüber der Mainmündung bei Mainz errichtete Lager. Ebenfalls an den Mündungen siedelten die germanischen Stämme der Sugambrer, Usipeter und Tenkterer, die besonders häufig auf die Römer übergegriffen hatten. Mit ihrer Präsenz an den Flussmündungen wollten die Römer die gallische Provinz zusätzlich schützen und den Germanen zugleich ihre stetige Anwesenheit demonstrieren. Der „Niedergermanische Limes“, die mit Lagern und Kastellen gesicherte Flussgrenze, wurde bis 16 n. Chr. so ausgebaut, dass der Abstand zwischen den einzelnen Posten nur etwa 10 Kilometer betrug.

Durch die Offensive des Drusus 12-9 v. Chr. wurden große Teile des Lippetals unter römische Kontrolle gebracht. Bis weit in den Osten hinein wurden in dieser Zeit Lager errichtet. Dazu zählt neben Wetterau in Hessen und Dangstetten in Baden-Württemberg auch das Legionslager Bergkamen-Oberaden, das als Nachschublager für die Eroberung der germanischen Gebiete bis zur Elbe angelegt wurde.

Drusus konnte zwar bis zur Elbe vordringen, war dann aber gezwungen, den Rückzug anzutreten. Bei diesem Rückzug starb er an den Folgen eines Unfalls. Danach führte sein Bruder Tiberius die Offensive fort. Zu ihrem erfolgreichen Abschluss führte u. a. die Unterwerfung der Sugambrer, die Tiberius auf die linke Rheinseite zwangsumsiedelte.

Die Errichtung der Militärlager und der Ausbau des Limes führten zu einer vollständigen Sicherung der linksrheinischen Seite. Darüber hinaus konnten Rheinüberquerungen der Germanen verhindert werden, so dass nachfolgende Auseinandersetzungen auf rechtsrheinischer Seite stattfanden.

Nach der Offensive, die vorübergehenden Frieden brachte, wurden 7 v. Chr. die meisten rechtsrheinischen Lager wieder verlassen. U. a. wurde das Lager Oberaden überflüssig, nachdem die von dort aus bekämpften Sugambrer bereits 8. v. Chr. zwangsumgesiedelt worden waren. Um diese Zeit wurde vermutlich das Lippelager in Haltern angelegt, das nicht nur als militärischer Stützpunkt, sondern auch als Versorgungs- und Verwaltungszentrum auf der rechten Rheinseite dienen sollte. Neben Haltern und wahrscheinlich Holsterhausen existierten vermutlich keine weiteren römischen Lager an der Lippe mehr, die anderen wurden nach und nach geräumt.

In Haltern bauten die Römer das 7 ha große Lager auf einer Anhöhe direkt an der Lippe. Dort wurden eine Legion, mehrere Hilfstruppen und Reiter untergebracht. Neben dem Hauptlager wurden in Haltern weitere Militärlager angelegt. Die kleineren Lager dienten der Vorratshaltung und als Anlegestelle für Transportschiffe an der Lippe.

Bevor das Hauptlager errichtet wurde, nutzten die Römer zunächst ein provisorisches Feldlager. Als Marsch- und Sommerlager angelegt, übernachteten die Legionäre dort wahrscheinlich in Zelten. Das Hauptlager hingegen war fest bebaut, mit zahlreichen Gebäuden für unterschiedliche Zwecke. Die Tatsache, dass besonders viele Unterkünfte für hohe Offiziere errichtet wurden, verstärkt den Ansatz, das Hauptlager in Haltern als rechtsrheinisches Verwaltungszentrum zu betrachten. Von hier aus sollten die hohen Offiziere wahrscheinlich die Verwaltung für das germanische Gebiet und die geplante neue römische Provinz einrichten. Jedoch wurde das Lager insgesamt nur wenige Jahre genutzt; nach der Varusschlacht 9. n. Chr. wurde es aufgegeben und von den Germanen eingenommen.

Jahre zuvor, um die Zeitenwende, fanden im nördlichen Germanien wieder schwere Kämpfe statt. Ab 4 n. Chr., unterwarf Tiberius in einer zweiten Offensive zahlreiche germanische Stämme wie die Brukterer und die Cherusker. Bei diesen Feldzügen drang er bis zur Weser und zur Elbe vor. Kurz vor einer möglichen Entscheidung musste ein großer Teil des römischen Heeres aufgrund von Unruhen in anderen Provinzen für drei Jahre aus Germanien abgezogen werden. 7 n. Chr. wird Publius Quinctilius Varus Statthalter und Oberbefehlshaber in Germanien.

Römische Militärlager und Germanenstämme um Christi Geburt (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)
Römische Militärlager und Germanenstämme um Christi Geburt (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)