Römer und Germanen (1-500 n. Chr.)
Bataveraufstand und Wiederaufbau
Der Bataveraufstand 69/70 n. Chr. war ein folgenschweres Ereignis für das Lager Vetera castra I. Die Bataver gehörten ursprünglich zu den Chatten und siedelten an der Rheinmündung. Durch politische Unruhen in Rom gerieten in gleicher Weise auch die germanischen Provinzen in Aufruhr. Der eingesetzte Kaiser Galba traf für die rheinischen Gebiete eine ungeliebte Entscheidung. Der bisherige beliebte Statthalter und Oberbefehlshaber des obergermanischen Heeres wurde gegen einen alten und kranken Mann nicht angemessen ersetzt. Daraufhin ließ sich Vitellius, der Befehlshaber der niederrheinischen Armee, zum Gegenkaiser ausrufen. Viele andere Provinzen stellten sich hinter Vitellius und unterstützten sein Kaisertum. Fast zeitgleich wurde in Rom ein weiterer Kaiser ausgerufen. Vitellius zog nach Rom und 70.000 Soldaten aus dem gesamten Rheingebiet ab. Die Grenze zum germanischen Stammland wurde so gut wie ungesichert zurückgelassen. Zum Ausgleich dieses Verlusts sollten Germanen rekrutiert werden, doch dies führte zu Unruhen schwächte den Niederrhein noch mehr.
Insbesondere die Bataver begannen unter dem Anführer Julius Civilis einen verheerenden Aufstand gegen die Römer: Sie wollten ein von Rom unabhängiges gallisches Imperium gründen. Im Laufe des Aufstandes wurde Vetera castra I bei Xanten vollkommen zerstört. Die Bataver hatten zuvor den Legionären Schonung versprochen, wenn diese das neue Reich anerkannten. Nach Abgabe ihrer Waffen wurden jedoch alle römischen Soldaten getötet. Trotz dieses Erfolgs der Bataver stieß die Gründung des unabhängigen Reiches nicht nur aus militärischer Sicht, sondern auch aufgrund der fortgeschrittenen Romverbundenheit Galliens insgesamt auf größere Widerstände.
Vitellius wurde währenddessen von einem weiteren Kaiserkandidaten namens Vespasian abgelöst. Vespasian leitete nach seinem Herrschaftsantritt schnell die Rückeroberung des Niederrheins ein und entsandte neun Legionen nach Niedergermanien. Den führenden Befehlshabern gelangen die Zerschlagung des Aufstands und die Rückeroberung der Provinzen recht schnell. Der Aufstand endete mit einer diplomatischen Unterredung, die Bataver kamen ohne Tributzahlungen davon. Nicht zuletzt weil die Bataver über gute Reitertruppen verfügten, verzichteten die Römer vermutlich auf weitreichende Strafmaßnahmen.

Nach der Rückeroberung des Niederrheins unter Vespasian wurde die Grenzsicherung wiederaufgebaut, hierzu zählt u. a. der Bau von Vetera castra II um 70 n. Chr. Das Lager wurde nicht wie sein Vorgänger auf dem Fürstenberg errichtet, sondern auf einer hochwasserfreien Niederterasse des Rheins. In Vetera castra II waren nur noch eine Legion sowie zeitweise Hilfstruppen stationiert. Bis Ende des 3. Jh. wurde das Lager von verschiedenen Legionen genutzt und aufrecht erhalten, bis es schließlich den Franken zum Opfer fiel. Durch spätere Änderungen des Rheinverlaufs im Mittelalter wurden die Reste von Vetera castra II unterspült und schließlich von Kies überlagert.
Im heutigen Nijmegen legte Vespasian ein neues Legionslager an, die Lager in Bonn und Neuss wurden komplett in Stein ausgebaut. Wie schon Claudius vor ihm, ließ er neue Auxiliarkastelle am Rhein errichten. Schon bald waren die Grenzlager untereinander wieder nur etwa 10 Kilometer voneinander entfernt und bildeten eine optimale Verteidigungslinie. Der niedergermanische Limes bestand zu vespasianischer Zeit aus vier Legionslagern, 27 Auxiliarkastellen und einem Flottenstützpunkt. Beim heutigen Ruhrgebiet und am Niederrhein war die Grenze besonders stark gesichert: Allein in Xanten und Neuss waren 11.000 Legionäre stationiert. Hinzu kamen Hilfstruppen, die hier in dieser Zeit z. T. nur aus Reitern bestehen konnten. Diese Konstellation schuf ein Gegengewicht zu den jenseits des Rheins siedelnden Tenkterern, die ebenfalls über hervorragende Reiter verfügten.
Vespasian unternahm allerdings keine neuerlichen Versuche, in das Land um Lippe und Ruhr einzudringen. Er bemühte sich allerdings, Obergermanien im heutigen Baden-Württemberg nach Osten hin zu erweitern. Des Weiteren führte der niedergermanische Statthalter 77 n. Chr. einen erfolgreichen Feldzug gegen die Brukterer durch, die zwischen Lippe und Ems siedelten.