Römer und Germanen (1-500 n. Chr.)
Colonia Ulpia Traiana


Eine weitere wichtige Gründung am Niederrhein war die Colonia Ulpia Traiana (CUT) im heutigen Xanten. In der Nähe des Legionslagers Vetera castra II war eine Siedlung entstanden, die um 100 n. Chr. die Rechte einer römischen Colonia erhielt. In ihr lebten römische und germanische Veteranen zusammen mit ihren Familien. Kaiser Marcus Ulpius Traianus verlieh ihr das Stadtrecht, somit war sie eine der wenigen Städte nördlich der Alpen.
Weil Trajan vorher Statthalter der Provinz Obergermanien gewesen war, ist es wahrscheinlich, dass er die Siedlung selbst kannte und die Gegebenheiten dort verbessern wollte. Außer der Siedlung in Xanten existierte in Niedergermanien nur noch die Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA), das römische Köln. Als Provinzhauptstadt von Niedergermanien besaß sie ebenfalls den Status einer Colonia. Da die CUT Verwaltungsaufgaben für die umliegende Region übernahm, wurde durch sie auch die CCAA entlastet.
Die CUT wurde drei Kilometer entfernt von Vetera castra II angelegt, sie nahm eine Fläche von 73 ha ein und wurde durch eine 6,6 Meter hohe Mauer und Gräben geschützt. Das schachbrettartige Straßennetz unterteilte die Stadt in „Insulae“ mit einer Größe von jeweils 120 x 120 m.
Die Häuser wurden aus Backstein gebaut, deren Dächer mit Ziegeln bedeckt waren. Zudem besaßen Wohnhäuser in der Regel eine Fußbodenheizung und Glasfenster. Ein Aquädukt gewährleistete die umfassende Trinkwasserversorgung der Colonia. Genauso fortschrittlich war das unterirdische Kanalsystem, das die Abwässer der Stadt in den Rhein leitete.
Die Colonia Ulpia Traiana verfügte über alle Merkmale einer typischen römischen Stadt wie z. B. ein Amphitheater, das 10.000 Menschen Platz bot. Im Amphitheater fanden Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen statt. Eines der Tiere, das dort häufig zu Tode kam, war der in Niedergermanien beheimatete Bär. In den Gewölben der Arena befanden sich die Aufenthaltsräume der Gladiatoren wie auch die Tierkäfige.
Ein weiterer, viel genutzter Ort war die große Thermenanlage, die den Raum einer ganzen „Insula“ einnahm. Dort fanden sich unterschiedliche Bäder mit verschiedenen Temperaturen, Ruheräume und Essensstände. In unterschiedlichsten Formen bot die Therme dem Besucher viel Abwechslung und diente als allgemeiner Treffpunkt zur Konversation.


In der Stadt wurden zudem mehrere Tempel erbaut. Der größte von Ihnen, das Kapitol, befand sich im Zentrum der Colonia und war den höchsten römischen Göttern Jupiter, Minerva und Juno geweiht. Der sogenannte „Hafentempel“, der direkt an den Stadtmauern in Hafennähe gebaut worden war, konnte hingegen noch keiner römischen Gottheit zugeordnet werden.
Alle Bewohner der Colonia besaßen römisches Bürgerrecht und die dazugehörigen Privilegien. Die Stadt verfügte über einen Bürgermeister, einen Stadtrat und Ädilen, die für die Sicherheit auf den Märkten verantwortlich waren. Die Bewohner der Colonia stammten aus verschiedensten Kulturen und sprachen die unterschiedlichsten Sprachen, dennoch lebten sie allesamt in der römischen Kultur.