Römer und Germanen (1-500 n. Chr.)

Franken und das Ende der Römerzeit am Niederrhein

Im 3. Jh. blieb die Grenzbefestigung am niedergermanischen Limes zunächst größtenteils unverändert. Eroberungsversuche in germanischen Gebieten fanden nur noch sporadisch statt. Oberste Priorität blieb sie Sicherung der Grenze am Rhein. Im weiteren Verlauf des 3. Jh. bekamen die Römer einen neuen Gegner: die Franken.

Münze mit Abbild von Konstantin I. (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)
Münze mit Abbild von Konstantin I. (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)

Der als „Franken“ bezeichnete Stammesverbund setzte sich u. a. aus den westgermanischen Stämmen der Brukterer, Chamaven und Chatten zusammen und lebte am rechten Niederrhein. Die Franken sollten ein wichtiger Faktor für den Machtverlust der Römer im Rheinland und am Niederrhein werden. Ein exemplarisches Ereignis für diesen Zusammenhang ist der Überfall der Franken auf die Colonia Ulpia Traiana um 260/275 n. Chr., durch den die Stadt komplett zerstört wurde. Die Position der Römer in den Rheinprovinzen wurde schwächer und die Zeiten an der Rheingrenze zunehmend turbulenter.

Nach der Zerstörung der CUT bauten die Römer unter Kaiser Konstantin 310 n. Chr. eine kleinere und sehr stark befestigte Anlage auf dem ehemaligen Gelände der Colonia: die Tricensimae. Sie wurde genau in der Mitte der ehemaligen Colonia errichtet. Die spätantike Festung nahm eine Fläche von 400 x 400 m ein, besaß 44 Wachtürme und 4 m dicke Mauern. Für den Bau wurden die noch vorhandenen Steine der zerstörten CUT verwendet. Die Festung hatte bis ca. 352 n. Chr. Bestand, als sie erneut überfallen und schließlich zerstört wurde.

Spätantike Festung "Tricensimae" auf dem ehemaligen Stadtgebiet der Colonia Ulpia Traiana (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)
Spätantike Festung "Tricensimae" auf dem ehemaligen Stadtgebiet der Colonia Ulpia Traiana (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)

Danach hatten die Römer Xanten wahrscheinlich endgültig verlassen. Die Steine der Colonia sollten später dem Bau des St. Viktor Doms dienen. Die Legende vom heiligen Viktor wird auf einen römischen Legionär zurückgeführt, der als Christ im 3./4. Jahrhundert den Märtyrertod gestorben war. Unter den Römern verbreitete sich langsam die Ausübung des Christentums. Der christliche Glaube war römischen Bürgern jedoch noch nicht erlaubt. Auf die Nichtbeachtung des Verbots stand der Tod. Dieses Schicksal hatte Viktor erlitten, der sich sich dem Christentum zugewandt hatte und sich weigerte, die alten römischen Götter zu verehren. Die Franken verehrten ihn künftig als „heiligen Viktor“.

Grab des Hl. Viktor in der Krypta des Xantener Doms (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)
Grab des Hl. Viktor in der Krypta des Xantener Doms (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)

Über der Grabstätte Viktors und seines Gefährten Mallosus wurden in nachfolgenden Jahrhunderten erst eine kleine Kapelle, dann eine Kirche und schließlich der St. Viktor Dom errichtet. Die Christen wurden schon seit Beginn ihres Auftretens von den Römern verfolgt und hingerichtet. Die jahrhundertelange Verfolgung endete erst mit dem Toleranzedikt von Mailand, das von Kaiser Konstantin im Jahr 313 n. Chr. erlassen wurde und das Christentum als gleichberechtigt zu allen anderen Religionen im römischen Reich erklärte. Des Weiteren herrschte mit dem Edikt Religionsfreiheit im Reich und beschlagnahmtes christliches Eigentum musste zurückgegeben werden.

Auf germanischer Seite hatten sich die Stämme schon seit der Varusschlacht nicht mehr zu einem Stammesverband zusammengeschlossen, doch nun kamen die Franken immer häufiger über den Rhein und lieferten sich Auseinandersetzungen mit den Römern. In den rechtsrheinischen Gebieten lebten die unterschiedlichsten Stämme: Neben den bereits genannten lebten im heutigen Ruhrgebiet insbesondere die Chattuarier an der unteren Lippe, die Usipeter und die Tenkterer jeweils auf beiden Lippeseiten sowie die Marser in der Hellwegzone. Die Bevölkerung im Lippegebiet nahm jedoch Ende des 2. Jahrhunderts ab und verlagerte sich in den Raum zwischen Lippe und Ruhr. Auch für den Großraum Essen gibt es Hinweise auf zunächst dichte Besiedlung, die jedoch auch dort wegen Abwanderungen im 2. Jh. wieder abnahm.

Die germanischen Stämme besaßen zum Teil religiöse und kulturelle Übereinstimmungen, die sie über die Zeit hinweg zusammenwachsen ließ. Anders als die fortschrittlichen Römer lebten die Germanen bzw. die Franken noch in großen Wohnstallhäusern, in denen im Winter das Vieh untergebracht wurde. In Recklinghausen-Hochlarmark, Kamen, Dorsten und Bochum wurden Reste solcher Häuser gefunden. Die Germanen lebten entweder auf einzelnen Höfen oder zusammen in kleinen Weilern. Neben der Landwirtschaft existierten in den kleinen Siedlungen auch Handwerksbetriebe.

Die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Römern und Franken veranlassten die antiken Autoren wieder, über die Vorgänge in der niedergermanischen Provinz zu schreiben. Ein einheitliches Auftreten der fränkischen Stämme war zunächst noch nicht vorhanden. Man weiß sogar von kleineren fränkischen Gruppierungen, die sich den Römern anschlossen und bei der Grenzverteidigung halfen. Auf diesem Weg konnten sie in hohe Ämter aufsteigen und zu großem Reichtum gelangen.

Im 4. Jh. drang ein Teil der Franken Richtung Westen über den Rhein in das Römische Reich vor. Zur Beruhigung der Lage ließ Kaiser Julian die Franken im heute belgisch-niederländischen Raum siedeln, verpflichtete sie jedoch im Gegenzug zum Militärdienst. Jene Franken wurden fortan als „Salfranken“ bezeichneten und waren von den Frankenstämmen am Rhein getrennt. Am Rhein hingegen erreichten die Franken zahlreiche kriegerische Erfolge gegen die Römer, welche die Macht der römischen Truppen am Rhein zusehends schwinden ließen.

Der zunehmende Erfolg der Franken bedrohte nachhaltig den Wohlstand und das Leben der Römer auf der linken Rheinseite. Weil die dortige Situation immer unsicherer wurde und die Bürger zudem durch hohe Steuern belastet waren, kam die Wirtschaft am Rhein schließlich zum Erliegen.

Anfang des 5. Jh. begannen die Römer, die Truppen vom Rhein nach Italien abzuziehen. Die Franken überschritten aufgrund der nun offenen Grenze immer häufiger den Rhein und nahmen ehemals römische Gebiete ein. Bis zum Ende des 5. Jh. besaßen die Franken nicht nur die Vorherrschaft über das germanische Stammland, sondern auch über die linksrheinischen Gebiete bis nach Belgien, den Mittel- und Oberrhein, das Moselgebiet und Gallien. Damit ging die römische Herrschaft am Rhein endgültig zu Ende. Mit Beginn der fränkischen Herrschaft kam wiederum ein neuer Stammesverbund aus dem Norden an den Rhein, der wiederum den Franken in späterer Zeit die Herrschaft erschweren sollte: die Sachsen. Wie die Franken erreichten sie ihre kulturelle und politische Hochphase im Früh- bzw. Hochmittelalter.