Hochmittelalter (900-1250)
Die Salier
Nach dem Tod des letzten männlichen Erben der ottonischen Linie kam 1024 ein neues Herrschergeschlecht an die Macht: die Salier. Ihr Name bezieht sich vermutlich auf den Stamm der Salfranken bzw. die salischen Franken und somit nicht mehr auf den Namen einer Einzelperson oder einer Familie, wie es bis dato üblich gewesen war.
Die Salier herrschten bis zum Jahr 1125 und führten Entwicklungen herbei, die für die meisten Lebensbereiche der Menschen im Deutschen Reich große Veränderungen bedeuteten. Sie galten als überaus willensstark und zielstrebig. Das Königtum führten sie mit großer Würde aus und schlugen mit ihren Anordnungen neue Wege ein. In der Zeit der salischen Herrschaft entstanden immer größere Spannungen zwischen Kaiser und Papst. Besonders kontrovers waren die Positionen zur Investitur, dem Recht, Bischöfe und Äbte einzusetzen. Weil sowohl Kaiser als auch Papst sich für „gottesunmittelbar“ hielten, also direkt von Gott bestimmt und in allen Handlungen durch Gott legitimiert, beanspruchten beide dieses Recht gleichermaßen für sich. Zwischen kirchlicher und weltlicher Macht entbrannte der „Investiturstreit“. Höhepunkt dieser Auseinandersetzung war der „Gang nach Canossa“ im Jahr 1077: Papst Gregor VII. hatte über König Heinrich IV. den Kirchenbann verhängt und ihn somit aus der Kirche ausgeschlossen. Um die Auflösung dieses Banns zu erwirken, erschien der König im Bußgewand vor der Burg im norditalienischen Canossa und soll dort mehrere Tage ausgeharrt haben, bis er angehört wurde. Die Unterwerfungsgeste bewog den Papst schließlich dazu, den Bann Heinrichs zu widerrufen.
Der Investiturstreit wurde jedoch erst fast 50 Jahre später mit einem Kompromiss beigelegt. Im „Wormser Konkordat“ von 1122 erhielt die Kirche von Heinrich V. wieder weitgehende Freiheiten in allen geistlichen Entscheidungen und bei der Einsetzung von Bischöfen. Die Herrschaft über weltliche Güter, mitsamt den damit verbundenen Rechten und Einnahmen, vergab der König den Bischöfen weiterhin als Lehen und hielt somit seinen Einfluss im weltlichen Bereich aufrecht. Der Ausgang des Investiturstreits gilt insgesamt als starke Einschränkung des königlichen Einflusses auf die Kirche und markiert den Beginn der Trennung von Kirche und Staat.
Unter den Saliern nahm die Kreuzzugsbewegung 1095 ihren Anfang, die bis zum Ende des 13. Jh. andauern sollte. Papst Urban II. rief 1095 zum ersten Kreuzzug auf, um das Heilige Land Palästina und Jerusalem von den „Ungläubigen“ zu befreien - muslimischen Seldschuken, die das Land zuvor erobert hatten. Dieser und zahlreiche andere Aufrufe in späterer Zeit bewogen unzählige Christen, im Namen des Christentums gegen Muslime und andere Nichtchristen in den Krieg zu ziehen. Mit der Teilnahme am Kreuzzug wollten sich die Kreuzfahrer Gottes Gnade und Vergebung sichern. Einerseits sahen sie den Kreuzzug als Pilgerreise in das Heilige Land, mit der sie ihre Frömmigkeit beweisen konnten. Andererseits versprach die Kirche als Lohn explizit Ablass, der die Minderung zeitlicher Strafen für bereits gebeichtete Sünden verhieß. Die Kreuzzüge zählen zu den einprägsamsten Beispielen dafür, dass der christliche Glaube von zentraler Bedeutung für die Menschen der damaligen Zeit war und die gedankliche Welt vollkommen auf ihn ausgerichtet war.
In der Kreuzzugsbewegung taten sich auch insbesondere die Ritter hervor. Ritter waren in der Regel adeliger Herkunft und stellten innerhalb des Lehnssystems einen eigenen Stand dar. Die schwer bewaffneten und berittenen Krieger verfügten meist auch über Grundbesitz und eine eigene Burg. Aufgrund seiner Stellung zwischen den anderen Ständen war er meist Diener und Herr zugleich. Meist diente er als Vasall einem Landesfürsten und war wiederum selber Lehnsherr. Neben der Teilnahme an Kriegen und Schlachten waren insbesondere Turniere für den Ritter eine gute Gelegenheit um seine Kampfkunst in verschiedenen Disziplinen wie z. B. dem Lanzenstechen zu beweisen und um Ehre wie auch Ruhm zu erlangen. Kriege und Turniere stellten zudem die Haupteinnahmequellen für einen Ritter dar.
Mit der Kreuzzugsbewegung entstanden in Palästina verschiedene Ritterorden, Ordensgemeinschaften aus Rittern, die im Heiligen Land verschiedene Aufgaben wahrnahmen wie den Schutz der Pilger, den militärischen Kampf gegen Feinde des christlichen Glaubens, die Verteidigung der Heiligen Stätten in Jerusalem und die Krankenpflege in Hospitälern, die ursprünglich die vordringlichste Aufgabe gewesen war. Die bekanntesten Ritterorden stellten die Johanniter (Gründung 1099), die Templer (Gründung 1120) und der Deutsche Orden (Gründung 1198) dar, die allesamt in Palästina ihren Ursprung haben und sich schnell im europäischen Raum verbreiteten.

An Rhein, Ruhr und Lippe erhielten im 11. Jh. viele Orte wichtige Privilegien, die den Prozess der Stadtbildung vorantrieben. So erhielten Duisburg und Essen zwischen 1020 und 1030 das Münzrecht. Essen wurde außerdem 1041 ein sechstägiger Markt gestattet. Bei einem Aufenthalt in Dortmund bestätigte Kaiser Konrad II. die Privilegien des Stifts Essen, die es in vorherigen Jahrhunderten erhalten hatte. Das Stift Essen erhielt unter der damaligen Äbtissin Theophanu einen Aufschwung. Durch eigene Förderung wurde die Kunst in der Stiftskirche der kaiserlichen Herrschaftsideologie angepasst und der Schatz des Stifts wurde um viele kirchliche Geräte erweitert, die noch zum heutigen Domschatz gehören wie die „Goldene Madonna“, das „Theophanu-Kreuz“ oder ein Reliquiar mit einem Nagel vom Kreuz Christi. Ende des 11. Jh. wurde die aufwändig renovierte Stiftskirche von Theophanu neu geweiht.
Unter den salischen Herrschern wurde Dortmund, wo sie sich häufig aufhielten, zunehmend bedeutender. Als königliche Zollstätte wird Dortmund 1074 in einer Urkunde Heinrichs IV. erwähnt: mit dieser Urkunde erteilt der Kaiser den Wormser Bürgern das Privileg der Zollfreiheit, d. h. sie mussten an den königlichen Zollstätten, zu denen Dortmund in jenem Jahr bereits zählte, keine Zölle entrichten.
In den königlichen Zollstätten wie Dortmund oder Frankfurt wurden Zölle einerseits auf die Benutzung von Wegen, Brücken, Häfen und Flüssen u. ä. erhoben. Mit diesem „Passierzoll“ war zugleich sicheres Geleit für den Handelsverkehr verbunden. Andererseits wurden mit zunehmender Städtebildung und dort stattfindenden Märkten „Marktzölle“ eingeführt, den die Händler für Teilnahme am Markt und ihre dortigen Handelsgeschäfte zu entrichten hatten. Mit der Errichtung einer Zollstätte wurde auch dem König eine gute Einnahmequelle zuteil, da das an einer Kreuzung zweier Handelsrouten gelegene Dortmund ein großer Warenumschlagplatz war. Auch seinen Bürgern wurde später die Zollfreiheit in den übrigen Zollstätten des Reichs gewährt. Urkundlich belegt ist eine erneute Bestätigung dieses Privilegs durch Heinrich V. Im Jahr 1112. Die Zollfreiheit muss für die Dortmunder also bereits vor dieser Zeit gegolten haben.
Im Jahr 1115 wurde die nur ein Jahr zuvor von Kaiser Heinrich V. errichtete Befestigung Dortmunds von seinen Gegnern wieder zerstört. In Duisburg wurde 1120-1125 eine Stadtmauer errichtet.
Die großen Orte im Reich bekamen zunehmend städtischen Charakter. Zahlreiche Privilegien sorgten für Aufschwung und zogen Bewohner aus ländlichen Gebieten an. Mit der zunehmenden Verschriftlichung und der häufigeren Anfertigung von Urkunden entstehen immer öfter schriftliche Zeugnisse, in denen Orte zum ersten Mal in der Geschichte erwähnt sind, wie z. B. Unna, Kamen, Bottrop oder Schwerte-Ergste; Mülheim an der Ruhr wurde erstmals als Gerichtsstätte erwähnt.
Im 12. Jh. deuteten viele Entwicklungen auf den späteren Charakter des Ruhrgebiets als Förderstätte für Kohle und Erz wie auch als Produktionsstätte hin. In Breckerfeld im südöstlichen Teil des Ruhrgebiets wurde Eisenerz abgebaut, das im Sauerland weiter verarbeitet wurde. Das Schmiedehandwerk erfuhr einen Aufschwung, Ende des 12. Jh. wurden z. B. für Essen und Dortmund Waffenschmiede erwähnt, die dort ihr Handwerk ausübten. Das Schmiedewesen differenzierte sich weiter: Den Endprodukten entsprechend bildeten sich verschiedene Schwerpunkte. Die Schmiede stellten u. a. Waffen, Sensen, Messer oder Hufeisen her.

Nachdem das Stift Essen und das Kloster Werden bereits längere Zeit existierten, richteten im 12. Jh. auch andere Ordensgemeinschaften im Raum von Lippe und Ruhr Klöster ein. So entsteht 1122 in Cappenberg, heute Ortsteil von Selm im Kreis Unna, das erste Kloster des 1120 gegründeten Prämonstratenser-Ordens im deutschen Raum. Weitere Gründungen folgten sehr zeitig danach in Wesel, Duisburg- Hamborn, Essen und Dortmund. Im Jahr 1144 wurde auch auf dem Fürstenberg bei Xanten ein Prämonstratenserkloster gegründet. Der Name des Prämonstratenser-Ordens geht auf den Gründungsort Prémontré im heutigen Nordfrankreich zurück. Für die Klostergründung hatte Graf Gottfried II. von Cappenberg seinen Besitz zuvor seinem Bruder, dem Ordensgründer Norbert von Xanten, gestiftet. Durch Schenkungen dieser und ähnlicher Art versuchten viele Adlige im Mittelalter, ihre Frömmigkeit zu beweisen und für ihr Seelenheil zu sorgen. Mit einer Klosterstiftung sicherte der Stifter zudem in vielen Fällen auch seinen Nachkommen einen Teil der künftigen Klostererträge, denn die Vogtei eines „Eigenklosters“, eines Klosters in Eigenbesitz, verblieb in vielen Fällen bei der Stifterfamilie.
1123 gründete der Orden der Zisterzienser in Kamp-Lintfort das Kloster Kamp. Vom Ortsnamen des Gründungsklosters Cîteaux (lat. „Cistercium“) leitet sich der Ordensname der Zisterzienser ab. Die Zisterzienser verstanden sich als reformierte Benediktiner, die das gemeinsame Leben wieder strenger an der Benediktsregel mit dem wesentlichen Element „ora et labora“, ausrichten wollten, der Einheit von Glauben und Leben mitsamt eigener Arbeit. Mit 350 Gründungen von Männerklöstern im 12. Jh. wurden die Zisterzienser im Hochmittelalter zum bedeutendsten Orden in ganz Europa.
Weil mit dem Tod von Kaiser Heinrich V. der letzte männliche Nachkomme des salischen Geschlechts gestorben war, endete 1125 nach einer hundertjährigen Regentschaft die Herrschaft der Salier im Deutschen Reich.

