Spätmittelalter (1250-1500)

Das Spätmittelalter war geprägt von einer stärkeren Differenzierung der einzelnen Stände, der zunehmenden Besiedlung, dem Ausbau der Infrastruktur und der fortschreitenden Ausbildung von Territorien. Christliches Denken und Handeln sind, auch im Hinblick auf politische Veränderungen, weiterhin von zentraler Bedeutung. Durch die Gründung der Hanse wurde das Gebiet an Rhein und Ruhr an den europaweiten Handel angeschlossen und erfuhr einen erneuten wirtschaftlichen Aufschwung.
Ab 1254 wird das deutsche Reich als „Heiliges Römisches Reich“ bezeichnet. Dieser Name bekräftigt den Anspruch, nicht mehr den alleinigen zentralen Herrscher, sondern das Reich als politisches Gebilde unabhängig vom Papst christlich zu legitimieren. Andererseits bezieht sich der Begriff auf die Fortführung des antiken Römischen Reichs, von dem im ursprünglichen Reich der Franken einige juristische und politische Strukturen übernommen und fortgeführt worden waren. Trotz des Fehlens starker Könige bzw. Kaiser in der Mitte des 13. Jh. bekräftigt der Name „Heiliges Römisches Reich“ zugleich einen sehr umfassenden Machtanspruch sowohl gegenüber den umliegenden Reichen als auch gegenüber dem Papsttum.
Die klar geordnete Ständeordnung früherer Zeiten, die im Wesentlichen Geistliche, Adelige und Arbeiter voneinander unterschied, wurde im Spätmittelalter immer komplexer und erschwerte die Zuordnung. Mit den Städtegründungen kamen die Bürger als neuer Stand hinzu, der sich wiederum aus verschiedenen Gruppierungen zusammensetzte wie Handwerkern, Händlern und Lohnarbeitern. Landadelige konnten auch als Händler in den Städten unterwegs sein, während einige Bischöfe und Äbte ihre Herrschaftsgebiete durch militärische Maßnahmen ausweiteten. Selbst ein Bauer konnte nicht mehr von vornherein klar einem Stand zugeordnet werden, denn er konnte sowohl in Abhängigkeit zu einem Herrn stehen als auch, mit eigenem Grundbesitz, sein eigener Herr sein. Darüber hinaus existierten noch die Gelehrten. Mit ihrem umfangreichen Universitätsstudium konnten sie Hindernisse, welche sich ihnen aufgrund ihrer Herkunft womöglich in den Weg stellten, überwinden und in der Gesellschaft hoch aufsteigen.
Im Bereich des heutigen Ruhrgebiets und darüber hinaus wurden die Grafen von der Mark und die Grafen von Kleve besonders mächtig. Die Grafen von Kleve hatten Territorien am linken Niederrhein, in Holland, Flandern und Brabant. Ihre rechtsrheinischen Gebiete erstreckten sich auf Teile des heutigen Ruhrgebiets. Das bis ins Sauerland reichende Territorium der Grafen von der Mark konzentrierte sich auf das südliche und östliche Ruhrgebiet.
Weiterhin sehr aktiv war das Erzbistum Köln, dessen Bischöfe sich einige rechtsrheinische Territorien gesichert hatten, hierzu zählte z. B. das Vest (Gerichtsbezirk) Recklinghausen (1230). Ihre umfangreichen Hoheitsrechte ermöglichten den Grafen und Herzögen, ihre Herrschaftsgebiete gegenüber den eigenständigen Städten und den Bischöfen zu behaupten. Über eigene Territorien verfügten weiterhin das Stift Essen, das Kloster Werden, die Reichsstadt Dortmund und die Grafschaft Moers. Hinzu kamen zahlreiche weitere kleine Herrschaften mit entsprechenden Territorien. Trotz des Zusammenschlusses der Territorien des Herzogtums Kleve und der Grafschaft Mark entstand keine einheitliche Verwaltung, sondern die alten Herrschaften blieben weiterhin erhalten. Diese wirre Ansammlung kleiner Territorien wird oft als „Flickenteppich“ bezeichnet, der als solcher bis zum Beginn des 19. Jh. Bestand hatte.