Spätmittelalter (1250-1500)
Kirchliche und geistliche Entwicklung
Im 13. Jahrhundert ließen sich viele neue Ordensgemeinschaften im Rhein-Ruhr-Bereich nieder. Dazu zählten z. B. die sogenannten Bettelorden wie die Franziskaner und die Dominikaner. Beide Orden lebten ein sehr bescheidenes Leben und besaßen theoretisch kein Eigentum. Ein wesentliches gemeinsames Merkmal ist die Predigt, als Verkündung der Frohen Botschaft, die sie durch die Lande und in die Orte trugen. Mit ihren Predigten machten die Bettelmönche an vielen Orten den Pfarrkirchen Konkurrenz, zum Missfallen der dortigen Priester. Besonders erfolgreich waren die Bettelorden mit den oftmals ursprünglich aus Adelsfamilien stammenden und meist hoch gebildeten Mönchen in den Städten: Sie konnten dem hohen Bedürfnis der Bürger nach Frömmigkeit und seelischem Beistand oftmals besser begegnen als die tendenziell eher ungebildeten Priestern der Pfarrkirchen.
In Dortmund errichteten die Dominikaner 1330 eines ihrer Klöster, mit einer angeschlossenen Kirche, die 1354 geweiht wurde. Weil vor allem der Klerus der Stadt sich vor der Konkurrenz der Bettelmönche gefürchtet hatte, wurden vorhergehende Versuche der Klostergründung vereitelt, letztlich wurde das Kloster dennoch gegründet. Nach der Gründung legte die Stadt, unter dem Einfluss des Klerus, eine Obergrenze von 25 Mönchen im Konvent der Dominikaner fest, ferner durften die Rechte des Stadtklerus nicht angetastet werden. Mit der Zeit verschwanden die Ängste, bis die Dominikaner von allen Bürgern voll akzeptiert wurde und sogar die Söhne einiger reicher Bürger in den Orden aufnahmen.
Mitte des 13. Jh. ließ sich in Bottrop der Deutsche Orden nieder. Der während der Kreuzzüge in Palästina gegründeter Ritterorden gründete hier die „Kommende Welheim“ als kleinste selbstständige Verwaltungseinheit eines Konvents. Kirchen, Klöster und Ritterorden betätigten sich umfassend in der Krankenpflege, wie z. B. die Johanniter seit dem 12. Jh. in Duisburg.
Im 13.-15. Jh. entstanden im Zuge des Bevölkerungswachstums viele Kirchen, die Gläubigen verlangten geradezu nach ihnen. In jedem Ort entstand in irgendeiner Weise eine Kirche mit einem verfügbaren Priester, der für die Anwohner des Ortes beten konnte und die allgemeine Frömmigkeit unterstützen konnte. Mit dem Ausdruck ihrer Frömmigkeit strebten die Menschen in hohem Maße danach, ihr Seelenheil zu erlangen - nicht zuletzt, um zu verhindern, dass sie im nahenden Jüngsten Gericht zu ewiger Verdammnis verurteilt werden. Hierzu beteten die Menschen auch vermehrt Heilige an. Die meisten Kirchengründungen fanden im 13. Jh. statt, danach verringerten sich die Gründungszahlen. Der u. a. mit zahlreichen Hungersnöten und der Pest verbundene Bevölkerungsrückgang führte zu einem geringeren Bedarf an Kirchen.
Ein weiterer Effekt ist die zunehmende Loslösung der Kirchen in den Städten von ihren meist auf dem Land gelegenen Mutterkirchen. Mit der zunehmenden Verstädterung verschob sich die Bevölkerung. Die meisten städtischen Kirchen waren Filialkirchen, vereinten aber durch diese Entwicklung bald mehr Gläubige unter ihrem Dach als ihre ländlichen Mutterkirchen. Aus diesem Umstand erwuchsen zahlreiche Unstimmigkeiten, in deren Folge sich die nach Unabhängigkeit strebenden städtischen Kirchen von ihren Mutterkirchen loslösten, wie z. B. Holten von Walsum (1319) oder Dinslaken von Hiesfeld (1436).

