Frühe Neuzeit (1500-1800)

Reformation

Abbildung Martin Luthers im Kirchenfenster der Evangelischen Jakobuskirche Breckerfeld (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)
Abbildung Martin Luthers im Kirchenfenster der Evangelischen Jakobuskirche Breckerfeld (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)
Ablassbrief von 1330, rund 2 Jahrhunderte vor Luthers Thesenanschlag in Wittenberg (Quelle: Pfarrarchiv St. Cyriakus)
Ablassbrief von 1330, rund 2 Jahrhunderte vor Luthers Thesenanschlag in Wittenberg (Quelle: Pfarrarchiv St. Cyriakus)

Im Zuge der Reformation, die von Martin Luther eingeleitet wurde, war insbesondere der Ablasshandel ein auslösender Eckpunkt. Die Ablassbriefe waren von Papst Leo X. ausgegeben worden und sollten den Neubau der Peterskirche in Rom finanzieren. Der Erwerb von Ablassbriefen sollte dem Gläubigen dazu dienen, dass er von seinen Sünden freigesprochen und darüber hinaus seine Zeit im Fegefeuer verkürzt wurde. Besonders im Hochmittelalter hatte der Ablasshandel einen Aufschwung erlebt. Der Ablasshandel wurde zunehmend von einzelnen Kirchen als Geldquelle missbraucht, was den Unmut der Gläubigen erregte. Die Menschen übten jetzt häufiger Kritik an der Verfahrensweise der Kirche. Dass der Ablasshandel Unmut auslöste, zeigte sich bereits 1515 in Dortmund. In diesem Jahr wurden im Dominikanerkloster in Dortmund Ablässe verkauft. Dasselbe geschah in der Reinoldikirche und in der Petrikirche. In Dortmund führte das 1518 dazu, dass die Stadt dem Klerus verbot, Handel und Gewerbe zu treiben. Im Gegenzug wurde die Stadt mit dem Kirchenbann belegt und war somit aus der Kirche und von allen religiösen Handlungen, wie z. B. dem Empfang der Sakramente, ausgeschlossen.

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts setzte sich die Reformation im Ruhrgebiet langsam durch. Luther hatte die Reformation am 31. Oktober 1517 mit den Anschlag seiner 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg im heutigen Sachsen-Anhalt ausgelöst. Seitdem zog die Reformation immer weitere Kreise. Der endgültige Durchbruch erfolgte dann 1520. Viele der deutschen Landesherren schlossen sich dem protestantischen Glauben an und unterstützten somit die Ausübung des Glaubens unter den Einwohnern ihres jeweiligen Herrschaftsgebietes. Teilweise war die Glaubensausübung durch die evangelischen und katholischen Landesherren aber auch erzwungen. Das zeigte sich an den zunehmenden, religiösen Auseinandersetzungen auf politischer Ebene, wie dem 80-jährigen Krieg und dem 30-jährigen Krieg, die religiös motiviert waren und sich letztlich auf ganz Europa ausweiteten.

Burgplatz mit Salvatorkirche in Duisburg 1566, Johan van Kornput (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)
Burgplatz mit Salvatorkirche in Duisburg 1566, Johan van Kornput (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)

Zahlreiche Entwicklungen von Städten in der Ruhrregion deuteten auf eine Verbreitung und Annahme des protestantischen Glaubens hin. Luther hatte zahlreiche Neuerungen eingeführt, nach denen der protestantische, auch evangelischer Glaube genannt, sich richten sollte. Luther entwarf eine Messe in deutscher Sprache mit deutschem Gesang und verfasste Katechismen nach protestantischem Glauben, die langsam Verbreitung fanden. In Duisburg wurde 1555 ein evangelischer Katechismus in den Schulunterricht eingeführt und in der Salvatorkirche wurde die gleichnamige Salvator-Statue auf Erlass des evangelischen Rates abgebaut, da diese als Abgötterie galt. 1561 wurde in Essen evangelischer Kirchengesang eingeführt. Die Stadt Recklinghausen genehmigte 1552 den gläubigen Protestanten entsprechende Gottesdienste und führte die Religionsfreiheit ein. Im ganzen Ruhrgebiet nahmen Menschen den protestantischen Glauben an, was zum Glaubenswechsel ganzer Städte und Dörfer führte.

Willibrordidom in Wesel  (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)
Willibrordidom in Wesel (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)

Eine Hochburg der Reformation stellte die Stadt Wesel dar. Dort hatten sich bereits um 1517 unter dominikanischen und augustinischen Mönche protestantische Ansichten verbreitet. Außerdem entstand in Wesel eine protestantische Partei. Der klevische, humanistisch geprägte Herzog gab Anweisungen, die zunächst gegen die Ausübung des protestantischen Glauben sprachen. Aber direkt dagegen war er letztlich doch nicht. Er förderte die Heraushebung der Gemeinsamkeiten in den Konfessionen und verbot sogar theologische Diskussionen. Ebenso wurde ab 1540 im Willibrordidom und in der Mathenakirche in Wesel das Abendmahl nach protestantischer Art eingenommen. Die beiden Gotteshäuser vollzogen in dieser Zeit den Wechsel vom katholischen zum evangelischen Glauben. Anderen Weseler Kirchen und geistige Einrichtungen blieben dagegen dem Katholizismus zugewandt.