Frühe Neuzeit (1500-1800)

Wirtschaftliche und industrielle Entwicklung

Ebenso wie die religiösen Anschauungen entwickelte sich die Industrie und deren Technik fort. Die Menschen der frühen Neuzeit erfanden neue Verfahren und Gerätschaften, die die Wirtschaft und die Industrie entschieden vorantrieben.

"Die verschiedenen Arten der Fahrung",1556, A: Ein Bergmann, der auf der Fahrt einfährt B: Einer, der auf dem Knebel sitzt C: Einer, der auf dem Leder einfährt D: Auf Stufen, die im Gestein hergestellt sind, Einfahrende (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)
"Die verschiedenen Arten der Fahrung",1556, A: Ein Bergmann, der auf der Fahrt einfährt B: Einer, der auf dem Knebel sitzt C: Einer, der auf dem Leder einfährt D: Auf Stufen, die im Gestein hergestellt sind, Einfahrende (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)

So erschienen im 16. Jahrhundert erste schriftliche Abhandlungen, die sich speziell mit dem Bergbau und den angewandten Techniken auseinandersetzen. Der Forscher Georgius Agricola veröffentlichte 1556 ein Werk über den Kohleabbau in Westfalen und in Essen. Die Bergleute legten mittlerweile tiefe Schächte an und die Kohle wurde mit Eimern aus den Schächten hochgezogen. Mit technische Hilfsmittel zum Ab-und Aufwickeln von z. B. Seilen, so genannten Haspeln, stiegen die Bergleute in die Schächte hinab. Des Weiteren legten die Bergleute bereits Abzugsstollen an, um das Grundwasser abzuleiten. Ebenso wurden Pferde und die Nutzung von Wasserkraft als Hilfsmittel zum Abbau genutzt. Ein weiteres Werk zum Thema Kohleabbau erschien 1616. Der Autor Johannes Ursinus liefert darin einen Überblick über den Abbau in der Essener Region. In Essen war der Kohleabbau schon im 16. Jahrhundert so weit fortgeschritten, dass dort die erste bezeugte Bergbaugenossenschaft gegründet wurde. Diese ist für 1566 in Essen-Bredeney belegt. Ebenso wurde 1575 eine Bergbauordnung für eine Essener Kohlegesellschaft von der Äbtissin des Damenstifts erlassen. In Hohensyburg bei Dortmund wurde 1582 die Genehmigung für die Errichtung eines Kohlebergwerks erlassen. Dafür war ein Beschluss des Landesherren notwendig. Zudem finden sich erste Hinweise auf die Verschiffung und den damit verbundenen Handel mit abgebauter Steinkohle. In Zollrechnungen von Rheinberg (1599) wurden Zollbeträge für Steinkohle verzeichnet, die über die Ruhr verschifft wurde. Ab 1630 wurden im Ruhrgebiet Stollen im Bergbau angelegt, wodurch die Kosten des Abbaus stark anstiegen. Ein Beispiel dafür stellte Bochum-Linden dar. Die Bergwerksbetreiber schlossen sich deshalb zu Gewerkschaften zusammen. Durch den vermehrten Abbau wurde letztlich sogar in Dortmund die Anlage eines weiteren Bergwerks untersagt mit der Begründung, dass die nachfolgenden Generationen ebenso ein Anrecht auf den Kohleabbau hätten.

Mit dem Ende der Auseinandersetzungen zwischen den Landesherren in der Mitte des 17. Jahrhunderts gewann der Handel neuen Aufschwung. Während alte Handelsorte wie Dortmund und Soest ihre wirtschaftliche Blüte bereits erlebten hatten, stiegen neue Städte zu wirtschaftlicher Größe auf. Insbesondere die Grafschaft Mark wuchs mit mehreren Städten zu einem Handelszentrum heran, in dem mit verschiedenen Kleineisenprodukten wie Draht, Nadeln und Sensen gehandelt wurde. In Sprockhövel wurde Eisenerz abgebaut, das dann zu Stahl weiterverarbeitet wurde.

Ehemalige Wassermühle in Schermbeck (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)
Ehemalige Wassermühle in Schermbeck (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)

Ebenso entwickelten sich andere Gewerbeformen weiter wie die Papierherstellung, die Büchsenherstellung und das Mühlengewerbe. Essen war zwischen 1522 und 1622 das führende Zentrum für die Büchsenherstellung. Im gesamten europäischen Raum wurden die Essener Gewehre vertrieben. Die Büchsen wurden arbeitsteilig hergestellt. So konnte die Tagesproduktion im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts gesteigert werden. In der klevischen Kleinstadt Schermbeck betrieben die Stadtanwohner im 15./ 16. Jahrhundert mit Wasserkraft Getreidemühlen. Dies stellte eine weitere Neuerung in der Arbeitswelt dar und erleichterte den Menschen den Arbeitsalltag. In der Zeit nach dem Westfälischen Frieden blühte in vielen Orten das wirtschaftliche Leben wieder auf. Die Menschen betrieben verschiedene Handwerksarten wie den Häuserbau, die Tuchherstellung, die Ledergerbung und die Papierherstellung. Die Menschen im Ruhrgebiet dieser Zeit waren schwer vom Krieg getroffen worden und die Entwicklung neuer Produkte und deren Vertrieb wurde überlebenswichtig.

Besonders die Schifffahrt stellte einen wichtigen Handelsweg dar, der für die Städte an Rhein und Ruhr von elementarer Bedeutung wurde. Die Stadt Duisburg verlor im 16. Jahrhundert an Bedeutung für den Seehandel. Da der Rhein um das Jahr 1000 seinen Lauf geändert hatte, war die Stadt seitdem sowieso nur noch mit einem schiffbaren toten Nebenarm mit dem Rheins verbunden. Der 30-jährige Krieg brachte den Handel dann fast zum Erliegen. Erst mit der Einrichtung einer Schiffslinie nach Nimwegen ab 1674 wie in Wesel konnte sich auch Duisburg wieder zu einem Handelszentrum entwickeln. Dort wurden Waren aus dem gesamten Ruhrgebiet verschifft. Dazu zählten Metallwaren, Käse, Salz, Tran und Raps. Die Linie verkehrte passend zu den Wochenmärkten in Duisburg und Nimwegen. Andere Städte profitierten wiederum von ihrem direkten Zugang zu Wasserstraßen. Dazu zählte z. B., wie oben erwähnt, die Stadt Wesel, die direkt am Rhein gelegen war und hohe Zolleinkünfte zu verbuchen hatte. Mit dem zunehmenden Handel auf den Flüssen wurden Schiffslinien eingerichtet, die nach einem festen Fahrplan fuhren. Wesel war schon zu Zeiten des 30-jährigen Kriegs der wichtigste Warenumschlagsplatz für die gesamte Region. Dort kamen Waren aus Dortmund, Nimwegen, Amsterdam und Antwerpen zu weiteren Verschiffung an. Ab 1670 wurde dann eine regelmäßige Schiffslinie eingerichtet, die alle zehn Tage von Wesel aus die Städte Rees, Emmerich, Arnheim, Utrecht, Amsterdam und Rotterdam anlief. Damit war gewährleistet, dass die Waren verschifft werden konnten und der Handel florierte.

Eine weitere Neuerung war die Entstehung des Postwesens. Der Grundstein dafür wurde bei den Verhandlungen des Westfälischen Friedens gelegt. Durch Kuriere wurden die neusten Nachrichten bezüglich der Verhandlungen weitergeleitet. Neben privaten Kurieren benutzten die Gesandten die berittene Reichspost, die über die 1646 eingerichtete Linie von Münster über Wesel, Geldern, Roermond und weiter über Antwerpen und Brüssel ging. Wesel entwickelte sich zu einem Knotenpunkt. Viele Kurierdienste trafen hier aufeinander. Da Wesel ein zentraler Ort für den Handel war, stellte die Entwicklung zu einem zentralen Postort keine Überraschung dar, weil von der Stadt viele Handelswege abgingen und eine schnelle Briefübermittlung gewährleistet war.

Ab ca. 1680 wurde eine Postlinie eingerichtet, die über Düsseldorf, Duisburg und Xanten weiter nach Nimwegen führte. Die Post setzte dort eine Kutsche ein, die sowohl Briefe als auch Reisende transportierte. Die angelegten Linien wurden mehrmals in der Woche bedient und langsam wurde der Postverkehr ausgeweitet. Allein in Wesel verkehrten bald 17 Postlinien und es wurde eine Postsammelstelle eingerichtet. Im Kerngebiet des Ruhrgebiet war die Postanbindung noch eher schwach ausgebaut. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in der Ruhrregion keine durchgehende Postlinie. Essen war lediglich durch einen Postkarren mit Wesel verbunden, während Sendungen aus Bochum erst nach Lünen gebracht werden mussten, von wo diese weiter verschickt wurden. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts bekam Dortmund ein Unterpostamt, das von der Reichspost unterhalten wurde. Die Post kam in der Anfangszeit nur sehr langsam an ihr Ziel, da sie ungefederte Wagen benutzte und in Verbindung mit den schlecht ausgebauten Straßen war eine Reise mit einer Postkutsche sehr unbequem und lang.