Frühe Neuzeit (1500-1800)
Humanismus und Bildung
Angestoßen durch die humanistische Bewegung wurden im späteren Ruhrgebiet viele Schulen und eine Universität gegründet. Der vermehrte Drang nach Wissen in der Zeit förderte darüber hinaus den Entdeckerdrang und damit die Anfertigung von detaillierten Kartenwerken.
In der frühen Neuzeit wurden an Rhein und Ruhr zahlreiche Schulen gegründet, die von geistlichen Orden oder der Stadt geleitet wurden. In Dortmund wurde z. B. 1543 ein städtisches Gymnasium gegründet, das humanistisch geprägt war. An der Schule wurden Fächer wie Griechisch, Hebräisch, Geschichte, Erdkunde, Physik und noch weitere Fächer gelehrt. Die höheren Klassen konnten, als Vorbereitung für ein Studium, noch Kurse in Philologie (Sprach- und Literaturwissnschaft) und Jura belegen. Um 1604 sollte das Gymnasium in Dortmund zu einer Universität ausgebaut werden. Dazu warb man Professoren von anderen Universitäten an, um die benötigten Lehrstühle einrichten zu können. Doch letztlich scheiterte die Umsetzung. In Duisburg wurde 1563 eine Elementarschule gegründet. Die Stadt Essen hingegen richtete ein Jahr später ein Gymnasium ein, das lutherisch geprägt war und in Konkurrenz zur Lateinschule des Stifts Essen stand. Eine weitere Schulgründung folgte 1582 in Moers.
Ein besonderes Ereignis stellte die Gründung der Klevischen Landesuniversität am 14. Oktober 1655 in Duisburg dar. Die Eröffnung fand in der Duisburger Salvatorkirche statt. An der Universität gab es Fakultäten für Medizin, Jura, Philosophie und Theologie. Die Universität Duisburg zählte im Vergleich eher zu den kleinen Universitäten und stand in Konkurrenz zu der Kölner Universität. Der Hauptgrund für die Gründung war eine Bitte der klevischen Stände im Jahr 1641, die ihre Kinder zum Studieren nicht ins Ausland schicken wollten. Daher gab Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg die Genehmigung zur Gründung. Ein weiterer Grund für die Gründungen waren die mangelnden Bildungsmöglichkeiten im Lippe-Ruhr-Raum. Dadurch sollten die kulturellen und strukturellen Gegebenheiten in den westlichen Teilen Brandenburg verbessert werden. Am Tag der Eröffnung schrieben sich 116 Studenten an der neuen Universität Duisburg ein. Insgesamt existierte die Universität nur 150 Jahre.

Durch die zunehmenden Entdeckungsfahrten der Seefahrer wurde neues Land erschlossen und es konnten umfangreiche und sehr detaillierte Kartenwerke angefertigt werden. Die Menschen besaßen immer bessere geographische Kenntnisse, woraus sich auch ein neues Weltbild entwickelte. In dem Gebiet der Kartenzeichnung taten sich besonders zwei Männer hervor, die beide in Duisburg lebten: Gerhard Mercator und Johannes Corputius. Mercator war von den Niederlanden nach Duisburg übergesiedelt, weil er dort 1544 von den katholischen Spaniern der Ketzerei bezichtigt worden war. In Duisburg war er dann ab 1552 als Kosmograph des Herzogs von Jülich-Kleve-Berg tätig. Er fertigte 1554 eine sehr detaillierte Karte von Europa an, sowie die berühmte, herzförmige Weltkarte von 1569. Seine Weltkarte ist genau nach Längen- und Breitengraden ausgerichtet. So konnten die Seefahrer erstmals aufgrund der Nord-Süd-Orientierung durch einen Kompass nach der Karte navigieren. Vorher existierten keine brauchbaren Karten für Seefahrer. Zudem schuf er 1541 noch einen Weltglobus und 1551 einen Globus, der den Himmel abbildete. Dadurch wurde Gerhard Mercator weltberühmt. Doch auch seine Schüler und Söhne zeichneten sehr detaillierte Karten. Sein Schüler Johannes Corputius fertigte 1566 eine Karte von Duisburg an, auf der alle städtischen Gebäude verzeichnet waren. Mercators Sohn Johann zeichnete 1591 eine Landkarte von der gesamten Grafschaft Moers.
Eine ähnliche Tätigkeit betrieb Matthäus Merian der Ältere (1593-1650). Merian ließ sich in Zürich zum Kupferstecher ausbilden und unternahm danach Studienreisen nach Frankreich, Deutschland und die Niederlande. Er fertigte Stadtansichten aus Kupfer an. Unter diesen Ansichten befinden sich viele Motive aus der Ruhrregion wie z. B. Hamm, Werden, Recklinghausen, Dorsten und Ruhrort bei Duisburg.

