Französische Zeit (1800-1814)

Wirtschaftliche Entwicklung

Während Napoleon seine Reformen durchsetzte, wurde die Industrialisierung in der Ruhrregion weiter fortgesetzt und durch die französische Vorherrschaft teilweise begünstigt. Durch eine 1806 angesetzte Kontinentalsperre, die den Handel mit Großbritannien untersagte, geriet die Wirtschaft an Rhein und Ruhr jedoch in Schwierigkeiten. Es kam zu schweren Rohstoffmangel in den Tuchmanufakturen des Ruhrgebiets und viele Manufakturen mussten schließen. Besonders schlimm war die Entwicklung in Werden, Essen und Duisburg, in denen ein Drittel aller Betriebe schließen musste. Durch die Sperre mussten die Betriebe nun neue Produkte entwickeln, um die britischen Produkte zu ersetzten. Zur Anregung wurden sogar Preisgelder ausgesetzt, um die Menschen zum Erfinden zu animieren.

Franz Haniel (1779-1868) (Quelle: Haniel Archiv)
Franz Haniel (1779-1868) (Quelle: Haniel Archiv)

Eine positive wirtschaftliche Entwicklung entstand dann 1809: Die eingeführte Gewerbefreiheit erlaubte den Unternehmern eine wesentlich einfachere Vorgehensweise bei Geschäftsgründungen. Da sämtliche Gilden und Zünfte aufgelöst wurden, entfiel somit auch die Bindung an deren Regeln und Vorschriften. Die Aufsicht über das Gewerbe hatte ab diesem Zeitpunkt der Staat. Da zumindest formell keine sozialen Unterschiede mehr existierten, wurde ein schneller Aufstieg aus den vormals unteren Ständen möglich. Gewerbetreibende durften sich nun überall niederlassen. Vormals verboten die Territorialherren teilweise, dass sich Handwerker im Umland einer Stadt ansiedelten, um dort ein Geschäft zu eröffnen. Andererseits konnten nun beliebig viele Gewerbe innerhalb einer Stadt gegründet werden, ohne das die Stadt dies unterbinden durfte. Die Gewerbefreiheit führte bei den Betrieben zu einem verstärkten Wettbewerb, wodurch die Wirtschaft angekurbelt wurde. In dieser Zeit wurden einige der größten Industriekonzerne der Ruhrgebietsgeschichte begründet. 1811 wurde z. B. von Friedrich Krupp die erste Gußstahlfabrik in Essen gegründet. Gottlob Jacobi, Franz und Gerhard Haniel sowie Heinrich Huyssen gründen bereits 1808 die Hüttengewerkschaft Jacobi, Haniel und Huyssen (kurz JHH) in Oberhausen, in der die drei schon bestehenden Hütten „Gute Hoffnung“, „St. Antony „ und „Neu-Essen“ aufgingen. Im Kohleabbau erreichten die Bergarbeiter immer tiefere Schichten. 1808 hatte ein Stollen auf der Zeche Vollmond in Bochum die Tiefe von 46 m. Im Vergleich zu heute war das eher eine geringe Tiefe, aber zu damaliger Zeit stellte das einen herausragenden Erfolg in der Bergbaugeschichte dar. Durch den vermehrten Abbau von Kohle entstand ein großer Bedarf an Arbeitskräften. Dadurch entstand auch eine große Anziehungskraft auf die Bevölkerung der umliegenden Regionen sowie aus Polen, Schlesien und Ostpreußen. Anfang des 19. Jahrhunderts bildeten sich zunächst die Kerne des späteren Ruhrgebiets heraus. Ein Vergleich zu den späteren Ausmaß der Ruhrindustrie lässt sich in dieser Phase noch nicht ziehen. Während sich der Bergbau langsam weiterentwickelt, gehen andere Unternehmen wirtschaftlich zu Grunde. Die erfolgreiche Gewehrproduktion in Essen verlor langsam an Umsatz, da die eher kleinen Betriebe der zunehmenden Aufrüstung nicht gewachsen waren. Die Aufträge wurden daher an große Waffenhersteller in Lüttich und Berlin vergeben.

Übersichtsplan der Hütten St. Antony, Gute Hoffnung und Neu-Essen   (Quelle: Haniel Archiv)
Übersichtsplan der Hütten St. Antony, Gute Hoffnung und Neu-Essen (Quelle: Haniel Archiv)

In Folge der Industrialisierung wurden die Produktionsstätten größer, konnten somit auch in einem größerem Umfang liefern. Anfang des 19. Jahrhundert wurden die ersten Fabriken eingerichtet. Der Industrielle Franz Dinnendahl stellte z.B serienmäßig Dampfmaschinen her. Durch das Wachstum des Ruhrgebiets erhielt Mülheim an der Ruhr 1808 Stadtrecht. Die wichtigsten Wirtschaftszweige waren zu dieser Zeit die Schifffahrt und die Fischerei.