Das Ruhrgebiet 1914-2011

Erster Weltkrieg und „Weimarer Republik“ (1914-1933)

Das Geschütz „Dicke Bertha“  von Krupp. Der gefürchtete 42-cm Mörser in Stellung vor Lüttich, am 7. August 1914 (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)
Das Geschütz „Dicke Bertha“ von Krupp. Der gefürchtete 42-cm Mörser in Stellung vor Lüttich, am 7. August 1914 (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieg (1914-1918), der an zahlreichen Schauplätzen auf der ganzen Welt stattfand, änderte sich das Leben im heutigen Ruhrgebiet drastisch. Die Wirtschaft erlitt einen Einbruch und die Produktion in den verschiedenen Industriezweigen ging stark zurück. Große Teile der Belegschaft der Arbeiter wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Ersatz fand man durch die Beschäftigung von Frauen in den Hüttenwerken und im späteren Verlauf des Krieges durch den Einsatz von Kriegsgefangenen aus Russland, Polen, Belgien und den Niederlanden. Besonders gravierend war der Kohlemangel, der durch diesen Umstand entstand.

Das Ruhrgebiet diente als wichtigste Region der Waffenherstellung im Deutschen Reich. Fast alle Großindustriellen im Ruhrgebiet dieser Zeit rüsteten ihre Fabriken für die Waffenherstellung um. Umfangreiche Produktionsvorgaben erschwerten den Alltag der Arbeiter. Insgesamt gesehen führte der Krieg zu vielerlei Problemen: Arbeitermangel, Hungersnot und Unzufriedenheit über die immer noch sehr schlechten Arbeitsbedingungen in den einzelnen Industriezweigen.

Scheidemann ruft vom Westbalkon (zweites Fenster nördlich des Portikus) des Reichtagsgebäudes die Republik aus. 9.November 1918 (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)
Scheidemann ruft vom Westbalkon (zweites Fenster nördlich des Portikus) des Reichtagsgebäudes die Republik aus. 9.November 1918 (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)

Die Arbeiter organisierten sich häufiger in Gewerkschaften, die die Bedingungen in den Betrieben verbessern und die Arbeitnehmer stärken wollten. Diese Arbeiterbewegung hatte bereits vor dem Krieg begonnen, wurde aber durch den Krieg stark beeinträchtigt und konnte daher nur bedingt vorangetrieben werden. Gegen Ende des Krieges wurden vermehrt größere Streiks abgehalten, die Druck auf die großen Unternehmen ausüben sollten. Mit Ende des Krieges und der Revolution im November 1918 erreichte die Arbeiterbewegung dann nie dagewesene Ausmaße. Die Entwicklung wurde insbesondere durch linkspolitische Kräfte angetrieben, die die Unternehmer stark unter Druck setzten. Die Verbände konnten letztlich höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten für die Arbeiter durchsetzen.

Einhergehend damit waren die Veränderungen der politischen Ordnung im gesamtdeutschen Reich. Aus dem Kaiserreich wurde die demokratisch geprägte „Weimarer Republik“ und dadurch mussten sich die Menschen auf eine vollkommen neue politische Situation einstellen, die diese zwang ihre Werte neu zu ordnen. Einen Kaiser als Oberhaupt hatte das Deutsche Reich nun nicht mehr und das veränderte auch die Denkweise der Bewohner im Ruhrgebiet.

Aufmarsch französischer Besatzungstruppen vor dem Duisburger Rathaus 1921 (Quelle: Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg/ Reproduktion aus dem Stadtarchiv)
Aufmarsch französischer Besatzungstruppen vor dem Duisburger Rathaus 1921 (Quelle: Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg/ Reproduktion aus dem Stadtarchiv)

Die Nachwirkungen des Krieges blieben trotz dieser Entwicklungen noch Jahre danach spürbar. Der Kohlemangel war in den Folgejahren ein großes Problem und durch die hohen Lebensmittelpreise blieb von den höheren Löhnen nicht sehr viel Geld über. Zudem forderten die Alliierten hohe Reparationszahlungen, die das Ruhrgebiet zusätzlich belasteten. Die Forderung nach Wiedergutmachung wurde insbesondere durch die Besetzung von Teilen des Ruhrgebiets durch belgische und französische Truppen deutlich gemacht. Aufgrund der hohen Zahlungen an die Alliierten wurde 1923 eine Währungsreform notwendig, da sich das Preisniveau drastisch erhöht hatte.

Zeche Zollverein, Schacht 12 (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)
Zeche Zollverein, Schacht 12 (Quelle: Dießenbacher Tewissen Informationsmedien)

Trotz dieser Schwierigkeiten wuchs die Industrie im Ruhrgebiet weiter und die Zahl der Bewohner im Ruhrgebiet stieg stetig an. 1922 waren in den Bergwerken mehr als 500.000 Arbeiter beschäftigt. Das bereits seit 1847 aktive Steinkohlebergwerk Zeche Zollverein in Essen erhielt 1932 den neuen Schacht 12, der als zentrale Förderanlage diente und mit seiner Inbetriebnahme die Kohleförderung für die Schächte 6/9, 4/15/11 und 3/7/10 der "Zeche Zollverein" übernahm. Täglich wurden insgesamt 12.000 Tonnen Kohle über den Förderturm von Schacht 12 an die Oberfläche gebracht.

Ein merklicher Aufschwung, der als die „Goldenen Zwanziger“ bezeichnet wird, setzte 1924 ein und das Ruhrgebiet erlebte in den Jahren darauf eine Ruhephase, die erst durch die verheerende Weltwirtschaftskrise (1929-1933) und die darauf folgende nationalsozialistische Diktatur unterbrochen wurde.