Das Ruhrgebiet 1914-2011

Nationalsozialismus, Krieg und die Folgen (1933-1948)

Im Wahljahr 1933 wurde die NSDAP zur vorherrschenden Partei im Deutschen Reichstag und wurde mit einer Mehrheit von fast 44 % gewählt. Bereits im Vorfeld der Wahl wurde Adolf Hitler durch den damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Im Vergleich zu dem gesamtdeutschen Ergebnis war die Wählerschaft der NSDAP im Ruhrgebiet nicht so groß, da sie hauptsächlich aus der Ober- und Mittelschicht bestand, während die große Arbeiterschaft aus der Industrie andere Parteien bevorzugte. Aufgrund der mangelnden Unterstützung der Arbeiterschaft unterband die NSDAP die Arbeiterbewegung und zahlreiche Interessenverbände wie Gewerkschaften und Betriebsräte mussten sich auflösen.

Die NSDAP verfolgte in den Folgejahren eine verstärkte Rüstungspolitik, die als Ziel die Unterwerfung von Teilen Osteuropas wie z. B. Polen haben sollte. Durch die Aufrüstung wurde die Wirtschaft im Ruhrgebiet stark angekurbelt und davon sollten zahlreiche Unternehmen profitieren. Insgesamt war von der Regierung geplant, sich von ausländischen Unternehmen unabhängig zu machen und sich ausschließlich heimischer Rohstoffe zu bedienen. Da das einheimische Erzvorkommen eine andere Bearbeitung erforderte, lehnten die meisten Großindustriellen diesen Weg ab, da sie auf diese Weise wichtige Auslandsaufträge verloren hätten. Dieser Widerstand war allerdings nur begrenzt möglich, da der Druck der Regierung langsam größer wurde und zudem 1937 eine weltweite Konjunkturkrise entstand. Dadurch musste sich die Ruhrgebietsindustrie auf den deutschen Markt konzentrieren und produzierte fast ausschließlich für die Waffen- und Kriegsaufrüstung der Regierung Hitlers.

Französische Fremdarbeiter beim Lokomotivenbau, 1939 (Quelle: Bundesarchiv Bild 146-2006-0121; Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.de)
Französische Fremdarbeiter beim Lokomotivenbau, 1939 (Quelle: Bundesarchiv Bild 146-2006-0121; Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.de)

Im 1. September 1939 beginnt in Europa offiziell der Zweite Weltkrieg. Ohne vorher eine Kriegserklärung an Polen abzugeben, beginnt der Angriff des Deutschen Reichs auf Polen durch direkten Befehl von Hitler. Dieses Ereignis löste aufgrund von Verträgen eine regelrechte Kettenreaktion aus, die sämtliche Großmächte Europas in einen Krieg zog, der sich später mit Eintritt der USA in den Krieg weltweit ausdehnte. Durch den Krieg und die stetigen Luftangriffe veränderte sich das Leben der Bewohner des Ruhrgebiets sehr stark. Die Städte lagen in Trümmern und viele Menschen mussten in ländliche Gebiete flüchten, um den Bombenangriffen zu entgehen. Die Innenstädte von u. a. Essen, Dortmund, Duisburg, Bochum und Gelsenkirchen wurden fast völlig zerstört. Das Ziel der Alliierten war dabei nicht nur die Zerstörung der Industriestätten an Rhein und Ruhr, sondern ebenso die Zivilbevölkerung in den Städten. Die anhaltenden und stetigen Angriffe sollten dafür sorgen, dass die Menschen ihren Glauben in das propagandistische Regime verlieren sollten.

Für die Rüstungsindustrie waren besonders die zahlreichen Arbeits- und Konzentrationslager von Bedeutung. Da die meisten Arbeiter der üblichen Belegschaft sich als Soldaten an den verschiedenen Fronten befanden, setzte die Industrie Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter in den Produktionsstätten ein. In Essen befanden sich über 370 Arbeitslager und in Gelsenkirchen entstanden 75 Lager für Kriegsgefangene. Neben der Industrie nutzen die Stadtverwaltungen des Ruhrgebiets, wie z. B. die von Essen, die Zwangsarbeiter als Arbeitskräfte. Teilweise waren dort über 2000 Arbeiter beschäftigt, da hier dasselbe Problem vorherrschte wie in den Produktionsstätten der Industrie.

Rüstungsproduktion, Frauenarbeit an Bohrmaschinen, 1942 (Quelle: Bundesarchiv Bild 146-1981-023-18A; Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.de)
Rüstungsproduktion, Frauenarbeit an Bohrmaschinen, 1942 (Quelle: Bundesarchiv Bild 146-1981-023-18A; Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.de)

Während des Krieges errichteten die Nationalsozialisten 1942 in Duisburg-Meiderich eine Außenstelle des Konzentrationslagers Sachsenhausen bei Berlin. Dort waren 400 Häftlinge in vier Behelfsbaracken unter widrigsten Umständen untergebracht. Die sanitären Anlagen waren katastrophal und die Gefangenen mussten zahlreiche Missstände wie u. a. Hunger und körperliche Misshandlung durch die Wachkräfte erleiden.

Im Zusammenhang mit den Konzentrationslagern steht besonders die Ermordung der jüdischen Bevölkerung im Deutschen Reich und zahlreicher anderer Gruppen wie Roma, Sinti, Homosexuelle, Kranke und Behinderte. Sie wurden verfolgt, enteignet und in die Konzentrationslager deportiert. Dort fand eine systematische Massenvernichtung statt, die insbesondere gegen die jüdische Bevölkerung gerichtet war. Während des nationalsozialistischen Regimes wurden im Deutschen Reich mehr als 6 Millionen Juden in den Konzentrationslagern ermordet.

Nach dem Ende des Krieges in Deutschland am 17. April 1945 war das Ruhrgebiet stark zerstört, großer Hunger herrschte, die Infrastruktur war quasi nicht mehr vorhanden und die Ruhrgebietsindustrie war absolut zusammengebrochen.

Essen, zerstörte Krupp-Werke, Luftaufnahme1945 (Quelle: Bundesarchiv Bild 146-941)
Essen, zerstörte Krupp-Werke, Luftaufnahme1945 (Quelle: Bundesarchiv Bild 146-941)

Die Jahre zwischen 1945 und 1948 waren besonders harte Jahre in der Ruhrregion. Zudem wurde das heutige Deutschland unter den vier Siegermächten USA, Frankreich, Großbritannien und Russland in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Viele Bewohner der Ruhrmetropolen befanden sich noch in Kriegsgefangenschaft oder gehörten zu den zahlreichen Gefallenen des Krieges. Die von den britischen Besatzern durchgeführte Demontage von einigen Industrieanlagen und der damit verbundene Verlust von potentiellen Arbeitsplätzen erschwerte das Leben im Ruhrgebiet enorm. Es gab aber auch Industrieanlagen, die der Demontage entgingen. Ein Beispiel ist das Hüttenwerk in Duisburg – Meiderich, der heutige Landschaftspark Duisburg – Nord. 1946/47 brach zudem ein äußerst harter Winter über Deutschland herein, der die ohnehin sehr schwierigen Umstände noch verschlimmerte. Trotz der schlimmen Zustände sollten sich die Lebensumstände in den Folgejahren jedoch wieder wesentlich verbessern.

Auf Betreiben der britischen Besatzungsmacht wurde 1946 das Land Nordrhein-Westfalen gegründet und ersetzte somit die preußische Einteilung Westfalen und Rheinland. Das Land Lippe wurde 1947 noch mit einbezogen. Dadurch erreichten die britischen Besatzer, dass das Ruhrgebiet politisch gesehen in einem Verwaltungsterritorium lag.