Jungsteinzeit (Neolithikum 5.500-2.200 v. Chr.)
Die Jungsteinzeit ist ein Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte. In dieser Zeitepoche vollzog sich die sogenannte „Neolithische Revolution“: Der Mensch plante erstmals die Nahrungsmittelproduktion und wurde sesshaft. Er war nicht mehr Jäger und Sammler, sondern begann, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben.
Tiere wie auch Pflanzen wurden im Neolithikum kontrolliert gezüchtet. Die Menschen stimmten den Anbau der Pflanzen eng auf die Jahreszeiten und die eigenen Bedürfnisse ab. Mit der sorgfältigen Auslese geeigneter Pflanzen für die Zucht nahmen sie erste „Genmanipulationen“ vor. Neben Emmer, Einkorn, Gerste und Dinkel wurden auch Lein, Mohn, Erbsen und Linsen angebaut. Durch die Domestikation konnten diese Pflanzenarten bald nicht mehr in der freien Natur gedeihen, sondern waren auf den Menschen angewiesen. Im selben Zug wurden aber auch die neolithischen Bauern von ihren Tieren und Pflanzen abhängig.
Die Böden wurden für den Ackerbau zunächst mit Hacken aus Holz oder Geweih bearbeitet, bevor sich im Laufe des Neolithikums der Pflug und der Einsatz von Zugtieren verbreitete. Der von Zugtieren wie Rindern gezogene Pflug vereinfachte den Ackerbau erheblich und führte zu höheren Erträgen. Im Bereich der Haustierzüchtung gab es im Neolithikum bereits sechs Arten, die der Mensch domestiziert hatte: Rind, Schaf, Ziege, Schwein, Pferd und Hund. Die Haustiere ähnelten noch ihren wild lebenden Verwandten, aber durch die geplante Züchtung waren sie kleiner geworden. Sie dienten dem Menschen als Last- bzw. Zugtiere und lieferten Milch, Wolle und Fleisch.
Die Landwirtschaft erforderte viele Arbeitskräfte und konnte sie zugleich verlässlich an einem festen Ort ernähren. Daher stieg die Bevölkerung in der Jungsteinzeit merklich an und die Menschen wurden sesshaft. Während sie vorher nur zeitweise an einem Ort lebten, bauten sie nun Häuser.
Am Anfang des Neolithikums hatten die sogenannten Langhäuser noch eher kleinere Ausmaße. In ihnen legten die Menschen für unterschiedliche Zwecke bis zu drei Räume an, zusätzlich einen Dachspeicher für die Lagerung von ungedroschenem Getreide. Ferner waren die Häuser mit Herd, Backofen und Mühle ausgestattet. In der Regel wurden sie nach ca. 20 Jahren neu errichtet, ein auch symbolhafter Vorgang jeder neuen Generation. Die Langhäuser im Früh- und Mittelneolithikum wurden auf tief eingegrabenen Pfosten errichtet, deren Spuren bis heute im Boden zu finden sind. Unter anderem in Bochum fand man die Reste eines solchen Hauses.
Im Mittelneolithikum entstanden Dörfer und Siedlungen. In diesen unsicheren Zeiten schufen sich die Menschen geschützte Orte: Immer häufiger wurden auf Hügeln und ähnlichen Erhöhungen befestigte burgähnliche Anlagen mit Gräben und Palisaden angelegt. Die Holzhäuser waren nun 12 bis 53 Meter lang und bis zu 10 Meter breit. Der Innenraum wurde mit Querwänden in mehrere Kammern unterteilt, es konnten mehrere Familien unter einem Dach leben.
Für das Jungneolithikum lassen sich kaum noch Häuser nachweisen, weil die Häuser dieser Zeit keine Spuren hinterließen. Im Gegensatz zu den früheren Pfostenbauten mussten die im Jungneolithikum entstandenen Blockhäuser nur noch oberflächlich verankert werden. Die Forschung vermutet diese Entwicklung für ganz Europa, da kaum jungneolithische Häuser verortet werden können.
In der Jungsteinzeit war Feuerstein einer der wichtiger Werkstoffe für die Herstellung von Werkzeugen und Waffen. Nicht in der Rhein-Ruhr-Region, wohl aber für das heutige Süddeutschland, Polen und Belgien gibt es zahlreiche Belege für jungsteinzeitlichen Bergbau. Als Fortführung des Tagebaus In Feuersteinbergwerken wurden Schächte in den Erdboden und waagerechte Stollen gegraben und die begehrten Feuersteinknollen zu fördern. Nach dem Abbau wurden die entstandenen Hohlräume meist wieder mit dem ausgehobenen Material, dem Abraum, aufgefüllt. Die Funde deuten auf eine Ausweitung des Feuersteinbergbaus in der Jungsteinzeit hin.




